Diskussionswürdig – Filter Bubble: Wenn das Internet schon weiß, was man will


 

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Der Begriff „Filter Bubble“ beschreibt das Phänomen einer virtuellen Blase, in der wir uns im Internet bewegen. Eli Pariser erläutert in seinem gleichnamigen Buch „The Filter Bubble – What the Internet is hiding from you“ (2011), welche Konsequenzen ein personalisiertes Internet, das auf der Basis unbekannter Algorithmen Informationen selektiert, für unsere Wahrnehmung der Dinge sowie unsere Weltsicht haben kann. Wer kennt es nicht: Kaum hat man ein, zwei Mal etwas in einem Online-Shop bestellt, schon findet man andauernd die Werbung dieses Shops am Seitenrand, sobald man eine Website öffnet. Zugegeben, hinsichtlich der Werbung ist es vielleicht noch akzeptabel, personalisierte Anzeigen zu bekommen. Was aber passiert, wenn diese Selektion auch bei der Suche nach Informationen und Nachrichten stattfindet? Die individualisierte Zeitung scheint sowohl technisch als kulturell nicht mehr undenkbar. Insbesondere online ist der Schritt von gefilterter Werbung zu gefilterten Nachrichten nicht mehr groß. Auch auf dem Smartphone kann man schon selektieren, aus welchen Rubriken und über welche Themen man informiert werden möchte. Diese persönliche Filterung basiert auf selbstbestimmten Informationspräferenzen und Interessen und erscheint dadurch kontrollierbar. Nun gibt es aber Entwicklungen, im Rahmen derer unsere Suchanfragen im Web systematisch erfasst werden und immer nur Informationen angezeigt werden, die anscheinend zu unserer Suchhistorie passen. Mit anderen Worten: Nach einer gewissen Zeit befindet man sich in einer thematischen und informationellen „Blase“. Hinzu kommt, dass sich die Kommunikation immer mehr in soziale Online-Netzwerke verlagert. Dort trifft man vor allem auf „friends“, deren Interessen den eigenen ähnlich sind und die einem empfehlen, was man lesen oder anschauen soll. Je mehr sich die Blasen überschneiden, desto weniger erfährt man über das, was außerhalb der Blase noch an Informationen und Nachrichten existiert. Wissen, Interesse und Realitätswahrnehmung werden somit in Digital Fellowships organisiert. Wie wichtig die Gemeinschaft im Netz jetzt schon ist, zeigen die Ergebnisse der ARD/ZDF-Online- Studie. Busemann und Gscheidle (2011) arbeiten in ihrer Zusammenfassung heraus, dass die Community eine wichtige Informationsquelle darstellt: „Für immerhin 28 Prozent der Nutzer privater Communitys ist die eigene Community heute schon eine wichtige Adresse, um sich dort über tagesaktuelle Nachrichten zu informieren.“ (ebd., S. 366). Die Frage ist, ob die Informationssuche über Communities in Zukunft noch relevanter wird und ob man dann noch über den „eigenen Tellerrand“ hinausschauen kann. Erhält man noch genügend Anreize und Impulse, sich für politische, soziale und kulturelle Ereignisse zu interessieren, die außerhalb der eigenen kleinen Blase existieren? Und was hat es für unsere Gesellschaft für Folgen, wenn ein personalisiertes Internet uns über das informiert, was ein Algorithmus für wichtig erachtet? Sicherlich wird es immer noch Offline-Massenmedien geben, die uns nicht „kennen“ und deshalb vielfältige Informationen bereitstellen. Vielleicht müssen wir aber auch zukünftig im Internet für die Garantierung von Vielfalt und Depersonalisierung zahlen.

*Quelle: Busemann und Gscheidle: Web 2.0: Aktive Mitwirkung verbleibt auf niedrigem Niveau. In: Media Perspektiven 7- 8/2011, S. 360-369. Online verfügbar unter: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/0708- 2011_Busemann_Gscheidle.pdf

Hendrikje Brüning, Masterstudentin des Think Tank der HdM



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