Dynamisches Glossar – Der Begriff SocialMania


 

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Hintergrund

Im Kontext der Medienwissenschaft haben die beiden Medienforscher Petra Grimm und Michael Müller den Begriff SocialMania eingeführt. Wissenschaftlich diskutiert wird das Thema erstmalig beim SocialMania-Kongress an der Hochschule der Medien in Stuttgart, wenn hochkarätige Referentinnen und Referenten ihren Standpunkt zu diesem Phänomen präsentieren.

 

Begriffsklärung

Der Begriff SocialMania (engl.: social = sozial + mania = Wahn) umschreibt das Phänomen, wie in einem zunehmend mediatisierten Alltag private und individuelle Präferenzen gegenüber öffentlichen und gesamtgesellschaftlichen favorisiert werden. Soziale Netzwerke bilden die Grundstruktur für diesen Prozess. Insbesondere zielt der Begriff auf das übersteigerte soziale Kommunikationsverlangen im digitalen Lebensraum des Social Web ab. Hergeleitet wurde der Begriff Mania von analogen Wortschöpfungen wie Bibliomanie, die grundsätzlich eine übersteigerte Zuwendung implizieren.

Erstmals in der Mediengeschichte wird den Menschen durch Social Media die Möglichkeit gegeben, Inhalte mitzugestalten, am politischen Geschehen unmittelbar mitzuwirken und sich in einer vernetzten Gemeinschaft zu verorten. Es zeigt sich, dass zunehmend Wissen, Interesse und damit auch die Realitätswahrnehmung in so genannten “Digital Fellowships” organisiert werden. In der Informationsflut wird nur noch das gelesen oder gesehen, was explizit empfohlen wurde. Auch die klassischen Medien werden immer häufiger nach diesen Empfehlungen rezipiert. Ein Effekt von SocialMania ist daher auch die allgemein verbreitete Ansicht, dass eine moderne Kommunikation ohne Social Media unmöglich sei.

SocialMania zielt auf die Frage ab, ob in einer komplexen Gesellschaft ein einziges öffentliches Bewusstsein hergestellt werden kann oder ob es viele, gewissermaßen in Gruppen privatisierte Öffentlichkeiten geben wird. Außerdem wird die Frage behandelt, inwiefern sich Kommunikation und soziale Realität durch das Social Web grundlegend verändern werden oder ob lediglich neue Regeln in einer sowieso schon mediatisierten Gesellschaft aufgestellt werden. Über die Bewertung dieser Entwicklung wird öffentlich viel diskutiert.

ThinkTank SS2012/mk

 



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