Nachgefragt – Interview mit Julius van de Laar


 

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Julius van de Laar – Referent zum Thema „Vom Klick zur Aktion: People Powered Campaigning durch Social Media“

 

Diesen Sommer findet zum ersten Mal der SocialMania Kongress an der Hochschule der Medien in Stuttgart statt. Titel der Veranstaltung wird sein: Medien, Politik und die Privatisierung der Öffentlichkeit. Am 22. und 23. Juni werden Referenten aus verschiedenen Bereichen vor Ort sein und sich anhand ihrer Vorträge mit dem Thema auseinander setzen. Julius van der Laar wird einer der Referenten sein. Er ist Kampagnen- und Strategieberater und war unter anderem Teil des Wahlkampf-Teams von Barack Obama im Jahr 2008. Sein Vortrag wird Teil des Thesenpanels „Social Web und politische Partizipation“ sein. Zudem arbeitet Herr van de Laar als Dozent im Fach „Politische Kommunikation“ an der HdM in Stuttgart und genau hier treffe ich ihn heute.

 

Benjamin Heinle: Hallo Herr van de Laar.

Julius van de Laar: Hallo.

 

Benjamin Heinle: Als Einstieg drei kurze Fragen, die an jeden der Referenten im Vorfeld des SocialMania Kongresses gestellt werden. Welche Rolle spielt das Social Web in ihrem Alltag Herr van de Laar?

Julius van de Laar: Social Media spielt eine wichtige Rolle, insbesondere deshalb, weil ich mit vielen Organisationen zusammenarbeite, die sich mit der Frage beschäftigen, wie sie online Kommunikation effektiver für Ihre Kampagnen nutzen können.

 

Benjamin Heinle: Die zweite Frage lautet: Wie wird sich Politik ihrer Meinung nach zukünftig durch das Social Web ändern?

Julius van de Laar: Social Media ist an sich lediglich ein weiteres Tool, mit dessen Hilfe Politiker Inhalte kommunizieren sowie Unterstützer und potentielle Wählerinnen und Wähler erreichen können. Blogs, Facebook, Twitter und YouTube sind im politischen Alltag mittlerweile angekommen. Die Zukunft des politischen Online-Campaignings sehe ich insbesondere im Micro-Targeting und den Möglichkeiten, bestimmte Zielgruppen haarscharf zu segmentieren und mit passgenauen Botschaften zu mobilisieren. Zudem haben sich die Medienlandschaft und damit auch die Hierarchie im öffentlichen Diskurs grundlegend verändert. Die Zeiten von „Top-Down“ sind vorbei. Stattdessen erleben wir eine Demokratisierung der öffentlichen Debatte, indem sich die Machtverhältnisse verschieben: Weg von einer vertikalen Macht- und Kommunikationsstruktur, hin zu einer horizontalen. Die Herausforderung für politische Akteure besteht darin zu berücksichtigen, dass plötzlich eine Öffentlichkeit da ist, die durchaus in der Lage ist, eine Gegenöffentlichkeit zu mobilisieren.

 

Benjamin Heinle: Und schließlich, bitte vervollständigen Sie den Satz: Die größte Gefahr im Social Web sehe ich in…?

Julius van de Laar: Die größte Gefahr sehe ich darin, dass schnell vergessen wird, dass Wählerinnen und Wähler am Wahlsonntag nicht online wählen, sonder offline im Wahllokal ihren Stimmzettel abgeben müssen. Die Versuchung ist groß, Social Media Kampagnen zu pushen. Essentiell ist es jedoch, integrierte Strategien zu entwickeln, die online und offline Mobilisierung miteinander verknüpfen.

 

Benjamin Heinle: Ihr Vortragsthema für den Kongress lautet: „Vom Klick zur Aktion: People Powered Campaigning durch Social Media“. Was können die Zuhörer ihres Vortrages erwarten, vielleicht ein kleiner Vorgeschmack?

Julius van de Laar: Mein Vortrag fokussiert sich im Wesentlichen auf die Frage, wie politische Inhalte effektiv kommuniziert werden und welche Rolle Online-Campaigning im Wahlkampf spielt. Dabei werde ich Online-Campaigning unter dem Aspekt der strategischen Kommunikation beleuchten und versuchen zu vermitteln, welche Strategien und konkreten Maßnahmen erfolgreich und effektiv sind und warum.

 

Benjamin Heinle: Facebook zum Beispiel ist absolut ein Kanal, der auch im Rahmen von Politik häufig genannt und eingesetzt wird. Jetzt war der Börsengang von Facebook. Thomas Leidel spricht in seinem Beitrag bei N-tv vom Kapitalismus, der sich das Mitmach-Netz krallt. Web 2.0 ist endgültig angekommen im Mainstream. Er stellt die These auf: „Nach Facebook kommt: nichts mehr.“ Wie sehen sie diese Thematik?

Julius van de Laar: Es gibt sicherlich Experten, die deutlich mehr von der Tech-Industrie verstehen als ich. Meine Hypothese wäre allerdings, dass wahrscheinlich damals, als MySpace in aller Munde war, auch schon jemand sagte, „nach MySpace kommt nichts mehr“. Eines steht jedoch fest: Mit Blick auf Online Kampagnen führt kaum ein Weg an Facebook und den mehr als 900 Mio. Usern vorbei.

 

Benjamin Heinle: Schwenken wir wieder etwas mehr zurück zur Politik. Sie stehen auch der deutschen Politik beratend zur Seite.

Julius van de Laar: Das ist richtig.

 

Benjamin Heinle: Welche Parallelen bzw. Unterschiede können Sie im Umgang mit dem Social Webzwischen Deutschland und den USA feststellen, vielleicht auch in Bezug auf Wahlkampf?

Julius van de Laar: Der 2008 Wahlkampf in den USA gilt als die erste „Onlinewahl“. Im Bundestagswahlkampf 2009 wurde auch in Deutschland versucht, mit Hilfe von Online Kampagnen Wähler zu gewinnen und zu mobilisieren. Vor allem sehe ich viel Potential in der Art und Weise wie politische Themen und Programme auch mit Hilfe der neuen Medien kommuniziert werden können. Hierzulande besteht der Wahlkampf zu oft noch aus relativ trockenen „9-Punkte Plänen“ mit nur schwer vermittelbar sind. Ich hoffe, dass wir 2013 auch in Deutschland deutlich mehr Elemente wie Trans-Media Storytelling sehen werden, wenn es darum geht Zahlen, Daten und Fakten zu kommunizieren.

 

Benjamin Heinle: Vielleicht ein konkreter Tipp: Sie haben den mächtigsten Mann der Welt im Umgang mit dem Social Web beraten. Was würden Sie denn der mächtigsten Frau, also Angela Merkel, für die anstehende Bundestagswahl raten?

Julius van de Laar: Das größte unangetastete Potential schlummert in den eigenen Unterstützerinnen und Unterstützern. Genau dies gilt es für alle Parteien zu entfachen, indem man sie aktiv einbindet und ihnen die Tools zur Verfügung stellt selber Wahlkampf zu machen. Das bedeutet aber auch, dass der digitale Wahlkampf kein Add-On zur klassischen Wahlwerbung sein darf, sondern einen hohen Stellenwert in der Wahlkampfstrategie einnimmt.

 

Benjamin Heinle: Zum Abschluss eine letzte Frage Herr van de Laar: Wird der alte auch der neue Präsident, also gewinnt Barack Obama die kommende Wahl?

Julius van de Laar: Es wird sicherlich eine sehr knappe Wahl, denn Amerika ist polarisierter als je zuvor. Dennoch glaube ich, dass Barack Obama eine zweite Amtszeit erhalten wird. Selbstverständlich hängt aber auch sehr viel von der wirtschaftlichen Lage und den Arbeitslosenzahlen ab. Es gilt also wie immer: „It’s the economy, stupid!“

 

Benjamin Heinle: Das war der Kampagnen- und Strategieberater Julius van de Laar. Vielen Dank Herr van de Laar für das Interview.

Julius van de Laar: Danke Ihnen, und ich freue mich auf den SocialMania Kongress!

Interview mit Julius van de Laar vom 19. Mai 2012

Benjamin Heinle/Student des Think Tank der HdM

 



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