Nachgefragt – Interview mit Prof. Dr. Franco Rota


 

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Prof. Dr. Franco Rota – Moderator der Diskussions-Lounge mit Stephan Urbach

 

Welche Rolle spielt das Social Web in Ihrem Alltag?

Franco Rota: Es spielt gedanklich und analytisch eine große Rolle, ich könnte jedoch nicht sagen, dass ich ein heavy user wäre. Es gibt andere Dinge, die eine wichtigere Rolle in meinem Leben spielen: Realkontakte zu physisch Anwesenden, die sich am gleichen kommunikativ gemeinsam geteilten, materiell-sinnlich wahrnehmbaren Ort wie ich befinden…

 

Wie wird sich Ihrer Meinung nach Politik zukünftig durch das Internet verändern?

Franco Rota: Deutsche Innenpolitik wie auch EU-‚Innenpolitik‘ wird zunehmend im Positiven wie Negativen im durch die Möglichkeiten des Internets und seiner massenhaften Teilnehmer beeinflusst. Politik wird mehr und mehr Teil einer internationalen Sozialen Zeitkommunikation, also den Gesprächsthemen zu Zeit von Teilnehmern der Massenkommunikation. Zu diesen Themen gehört eben auch Politik. Schon in den achtziger Jahren hat man als Hypothese von einer Weltinnenpolitik gesprochen; erst das Internet und die globale Mobilkommunikation haben diese These als kommunikative Möglichkeit zum Austausch der Massen über diese Weltinnenpolitik teilweise bestätigt. Trotzdem sollten wir uns keine Illusionen machen: der Einfluss hat definitiv seine Grenze dort, wo staatliche Macht diese Einflussnahme behindert, nicht akzeptiert oder ignoriert.

 

Die größte Gefahr im Social Web sehe ich in…

Franco Rota: In dessen Überwertung als politisch-demokratisches Instrument zur Legitimation von politischen Entscheidungen. Freiheit, Gerechtigkeit, Teilhabe, tendenzielle Objektivität etc. werden nicht einfach dadurch erzielt, dass ausschließlich einer medialen Plattform und deren Usern ein Interpretationsmonopol über ‚Wirklichkeit‘ oder ‚Wahrheit‘ eingeräumt wird. Kommunikationshierarchien und –verfassungen, also Regeln, haben Sie in allen Kommunikationsformen, in allen Räumen, auf allen Medien und Medienplattformen.

 

Worauf sind Sie in Ihrer Diskussions-Lounge besonders gespannt?

Franco Rota: Na eben auf den Gesprächspartner Stephan Urbach, seine  Ziele, seine Weltsicht, seine kommunikativen Möglichkeiten, die Chancen und seine Wahrnehmung davon.

 

Vita

- 1975-1982 Studium der Politikwissenschaften,
Kommunikationswissenschaften und Soziologie in Stuttgart, Bordeaux, München (M.A.)
- 1984 Promotion an der LMU München in diesen Fächern (Dr.phil.)
- 1979-83 Freier Mitarbeiter, dann Reporter bei Bild Stuttgart und  Bild München; ab 1982 Lokalpolitik München Stadt
- 1984 Freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk Italienische Redaktion
- 1984-86 Freier Reporter in den Redaktionen ‘Rundschau’, ‘Bayernstudio’ beim Bayerischen Fernsehen mit Beiträgen für ‘Tagesschau’ (ARD)
- 1986-88 Redaktionsleiter des Magazins Unternehmensprofile, Starnberg (Corporate Publishing für Audi, Kärcher, Stabilo-Boss)
- 1989-93 PR- und Kommunikationsberater für LRE GmbH/Leach Corp., Columbus GmbH, Sorma GmbH&Co., von Mannstein GmbH
- 1993-94 Ressortleiter Wirtschaftsressort der ‘Bunte’
- 1988-2000 Lehraufträge in Politik und Kommunikation LMU + Hochschule für Politik, München
- 1996/97 Professor an der HdM Stuttgart
- seit 2007 Prorektor (Ressort Hochschulkommunikation)

 

 

Laura Kremer/Masterstudentin des Think Tank der HdM



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